Die „Schwarzen" wollen durchstarten – Auftakt in den Landtagswahlkampf mit Ministerpräsident Wulff in Uelsen

Vor fünf Jahren haben Ministerpräsident Christian Wulff und die Grafschafter CDU den hiesigen Landtagswahlkampf in der Großdiskothek „ZaK" in Uelsen eingeleitet und die anschließende Wahl gewonnen. Das wollen die Christdemokraten jetzt wiederholen. Wulff kam am Freitagabend wieder zum Wahlkampfauftakt der Grafschafter CDU ins „ZaK". Etwa 650 Parteifreunde dankten es ihm mit kräftigem Applaus.

Uelsen. „Wir wollen mit Schwung in den Wahlkampf hineingehen", ruft der Emlichheimer CDU-Vorsitzende Fritz Berends als Moderator des Abends den etwa 650 Gästen zu und bittet die Funkenmariechen des Karnevalsclubs Alemannia zu einem schwungvollen Tanz auf die Bühne. Die Tanzgruppe des Karnevalsclubs „Junge Narren" zieht später gar in schwarzen Gewändern in den Discosaal ein, um zu zeigen, welche politische Formation sich an diesem Abend präsentieren will.
Die hiesige CDU hat ein Rahmenprogramm vom Grafschafter Heimatlied bis zu Popmusik vorbereitet, um die zahlreich anwesenden Parteifreunde und Sympathiesanten auf den Wahlkampf einzustimmen. Die Zeit ist kurz, bereits am 27. Januar entscheiden die Wähler über die Zusammensetzung des niedersächsischen Landtages.
Verblüfft fragt Ministerpräsident Christian Wulff, warum man ihn nach Uelsen geholt hat, wenn zuvor der hiesige CDU-Kandidat Reinhold Hilbers in seiner Rede „schon alle Themen abgegrast" hat. Doch Wulff findet dennoch genügend Stoff für eine gute Dreiviertelstunde. Da fehlt natürlich nicht der Hinweis auf die steigende Verschuldung zu Zeiten der rot-grünen Vorgängerregierung und die durch die CDU gestartete Senkung der Neuverschuldung. Ab 2010 sollen sogar Schulden abgebaut werden, kündigt der Ministerpräsident an. Wulff’s Resümee dazu: „Sozialdemokraten können nicht mit Geld umgehen." Das zeige auch die Bedeutung der Begriffe „rote" und „schwarze" Zahlen.
Der prominente Gast aus dem Leineschloß zählt die Erfolge der Landesregierung aus seiner Sicht auf. Bürokratieabbau, wirtschaftsfreundliche Verwaltung und schnelle Genehmigungspraxis sind nur einige der Stichworte. „Ein Mindesteinkommen ist doch eine Selbstverständlichkeit", ruft Wulff in den Discosaal, schiebt aber gleich nach: „Das ist Sache der Tarifparteien und nicht des Gesetzgebers." Nur dort, wo die Gewerkschaften zu schwach seien, wie etwa bei der Post und bei den Gebäudereinigern, müsse der Gesetzgeber sich kümmern.
Erwartungsgemäß gibt es auch eine Breitseite gegen den politischen Konkurrenten von Hilbers um das Direktmandat im Wahlkreis: „Gerd Will ist nur aufgefallen durch Miesmacherei und Schlechtreden." Er habe dem emsländischen Landrat Hermann Bröring vorgeworfen, für das Transrapidunglück verantwortlich zu sein, und sich bis heute nicht dafür entschuldigt.
CDU-Kandidat Reinhold Hilbers wirbt in einer ausführlichen Rede für die Unterstützung des Landes für Grafschafter Projekte. Die Palette reicht von „A" für die Auflösung des Bombenabwurfplatzes wie „Z" für Zusammenarbeit in einem Netzwerk der verschiedenen Bildungsbereiche. Dafür lohne es sich zu streiten. Hilbers warnt vor einem „Zurückfall in den Schuldenstaat" und die Zerschlagung hunderter von Schulen zugunsten einer Einheitsschule. Hilbers versteht sich als „Lobbyist für die Grafschaft". Artikel aus den Grafschafter Nachrichten vom 31.12.2007