Weitere Entlastung für Nordhorn erst durch Nutzung von Wittstock

Berlin/Nordhorn.- In ihrer Antwort auf eine diesbezügliche Kleine Anfrage stellt die Bundesregierung fest, daß sie für weitere Entlastungen der Standorte Siegenburg und Nordhorn erst dann Spielraum sieht, wenn eine Nutzung von Wittstock als Luft/Boden-Übungsplatz möglich ist.
"Damit wird klar", so der hiesige CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Hermann Kues, "daß sich die Region auf einen langen Atem wird einstellen müssen." Zwar würden die Briten 2001 ihre letzen Flug-zeuge nach England zurückverlegen, aber der Bedarf an Übungsflügen der deutschen Luftwaffe sowie der Alliierten sei nach wie vor hoch. So hätten laut Auskunft des Verteidigungsministeriums (BMVg) die Amerikaner für die nächsten 5 Jahre in Deutschland 2900 Einsätze jährlich als Ausbildungsbedarf angemeldet, die Bundeswehr 9274, letztere allerdings nur zu etwa einem Viertel in Deutschland. Kues geht davon aus, daß sich diese Einsätze nach Lage der Dinge wohl zum großen Teil auf Nordhorn Range konzentrieren würden.
Nach dem kürzlichen Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes (BVG) in Sachen Wittstock sei von mehreren Jahren auszugehen, ehe das förmliche Beteiligungsverfahren zu Ende gebracht werden könne, befürchtet der Christdemokrat. Das BMVg schätzt die Kosten für die Inbetriebnahme dieses Übungsgeländes auf 229 Mio. DM. Hinzu kämen noch die Kosten für die Altlastenbeseitigung in Höhe von bis zu 330 Mio. DM. Alles in allem, so Kues, also bis zu 550 Mio. DM, was nach dessen Ansicht angesichts der gegenwärtigen Neuorientie-rung und Verkleinerung der Bundeswehr zu Überlegungen führen werde, ob Wittstock überhaupt wie vorgesehen genutzt werden könne. Angesprochen auf eine frühere Äußerung von Verteidigungsminister Rudolf Scharping, wonach dieser die Einstellung der militärischen Nutzung im Falle seiner Wahl versprochen hatte, äußerte sich das BMVg nicht. Dies, bedauerte Kues, passe zur Verhaltensweise von Bundeskanzler Schröder, der sich zur Nordhorn Range ähnlich geäußert hatte, heute aber leider nicht mehr dazu stehe.
Im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 20. August 2000 sind nach Angabe des BMVg in Nordhorn insgesamt 897 Einsätze geflogen worden, in Siegenburg 315. (Ein Einsatz besteht jeweils aus mehreren Überflügen. Red.)