Terhorst: Pflege neu denken – für die Menschen, ihre Familien und eine starke Grafschaft
Terhorst: Pflege neu denken – für die Menschen, ihre Familien und eine starke Grafschaft
Verflechtungsanalyse soll Versorgung, Unterstützung und Finanzierung gemeinsam in den Blick nehmen
Wie können wir dafür sorgen, dass es den Menschen in der Grafschaft Bentheim auch dann so gut wie möglich geht, wenn sie krank, älter oder pflegebedürftig werden? Und wie können wir gleichzeitig diejenigen unterstützen, die als Angehörige jeden Tag Verantwortung übernehmen? Für CDU-Landratskandidatin Anja Terhorst sind das zentrale Fragen einer zukunftsfähigen Gesundheits- und Pflegepolitik.
„Für mich geht es nicht allein darum, ob genügend Angebote vorhanden sind. Entscheidend ist, ob sie bei den Menschen ankommen und ihnen ein möglichst gutes und selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Pflegebedürftige Menschen gehören mitten in unsere Gesellschaft“, sagt Terhorst.
Ein ganz konkretes To-do hat Terhorst deshalb aus dem Vortrag des Gesundheitsökonomen und Krankenhausberaters Prof. Bernd H. Mühlbauer und der anschließenden Diskussion mit den Teilnehmenden festgehalten: eine Verflechtungsanalyse der Gesundheits-, Pflege- und Versorgungsstrukturen in der Grafschaft Bentheim.
Dabei sollen bestehende Angebote und Akteure sowie ihre Schnittstellen systematisch betrachtet werden – von der ambulanten und stationären medizinischen Versorgung über Pflege bis zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten. Auch die Situation pflegender Angehöriger soll ausdrücklich berücksichtigt werden.
„Wir haben in der Grafschaft viele gute Angebote und engagierte Akteure. Jetzt möchte ich genauer hinschauen: Was haben wir? Wie greifen die Angebote ineinander? Wo entstehen Lücken oder Doppelstrukturen? Und wo können wir durch eine bessere Vernetzung mehr für die Menschen erreichen?“
Pflege ist auch Familien-, Frauen- und Arbeitsmarktpolitik
Die Dimension ist enorm: In Deutschland sind rund 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig, 86 Prozent von ihnen werden zu Hause versorgt. Ein großer Teil dieser Pflege wird von Angehörigen übernommen, überproportional häufig von Frauen.
„Pflegende Angehörige leisten jeden Tag Enormes. Gleichzeitig müssen wir sehen, was diese Verantwortung für ihr eigenes Leben bedeutet“, sagt Terhorst. Wer seine Arbeitszeit für die Pflege reduziert oder den Beruf zeitweise aufgibt, muss häufig Abstriche bei beruflicher Entwicklung, Einkommen und späterer Altersvorsorge hinnehmen.
Gleichzeitig fehlen diese Arbeitskräfte auf einem ohnehin engen Arbeitsmarkt. „Alles hängt mit allem zusammen. Wenn wir pflegende Angehörige besser unterstützen und entlasten, stärken wir Familien, verbessern insbesondere die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten von Frauen und leisten zugleich einen Beitrag zur Fachkräftesicherung.“
Gute Pflege muss auch finanzierbar bleiben
Zur Weiterentwicklung der Pflege gehört für Terhorst deshalb auch die Finanzierungsfrage. Mühlbauer hat unter anderem angeregt, Investitions- und Ausbildungskosten stärker von den Vergütungssätzen in Alten- und Pflegeheimen zu entkoppeln. Dadurch könnten Pflegebedürftige finanziell entlastet und das Risiko verringert werden, dass Menschen aufgrund der hohen Kosten stationärer Pflege auf Sozialhilfe angewiesen sind. Zugleich könnte dies die kommunalen Sozialausgaben entlasten.
Die angespannte Finanzlage der Kommunen erhöht den Handlungsdruck zusätzlich. Steigende Sozial- und Pflegeausgaben machen deutlich, dass neben einer auskömmlichen Finanzierung auch die Strukturen der Pflege weiterentwickelt werden müssen.
„Es geht nicht darum, an Pflege zu sparen. Im Gegenteil: Wir müssen Strukturen so organisieren und Mittel so einsetzen, dass möglichst viel bei den Menschen ankommt“, betont Terhorst.
Dabei sollen auch neue Möglichkeiten für den ländlichen Raum geprüft werden- -etwa der stärkere Einsatz besonders qualifizierter Pflegekräfte zur Beratung und Unterstützung von Pflegebedürftigen und Angehörigen, Arzt- und Ärztinnen-Assistenzen sowie mobile medizinische Angebote mit festen Sprechstunden vor Ort. Auch neue Formen altersgerechten Wohnens und wohnortnaher Versorgung sollen in den Blick genommen werden.
„Nicht jede gute Idee passt automatisch zur Grafschaft und nicht alles liegt in der Zuständigkeit eines Landkreises. Deshalb möchte ich zuerst genau hinschauen, zuhören und diejenigen einbeziehen, die Versorgung jeden Tag gestalten und erleben.“
Aus der Verflechtungsanalyse sollen anschließend gemeinsam mit den Beteiligten konkrete Handlungsfelder und Projekte entwickelt werden. „Mein Ziel ist eine Grafschaft, in der Menschen möglichst lange selbstbestimmt leben können, pflegende Angehörige Unterstützung erfahren und Pflegebedürftigkeit nicht bedeutet, gesellschaftlich an den Rand zu rücken. Die Menschen gehören in die Mitte unserer Gesellschaft.“

