Lösung für Kartoffelstärke in Sichtweite

Artikel der Grafschafter Nachrichten vom 01.11.2003

Mit einem gellenden Pfeifkonzert zogen gestern morgen mehrere Hundert Mitarbeiter aus der Kartoffelstärkeindustrie bis zur Bannmeilengrenze in Sichtweite des Landtages. Sie wollten ihrem Unmut über die Art der künftigen Subventionszahlungen Luft machen. Was sie noch nicht wußten: Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen hatte zuvor im kleinen Kreis einen Kompromißvorschlag unterbreitet, der auf Zustimmung stieß.
Hannover " Friedrich Kethorn zeigte sich gestern morgen in Hannover gutgelaunt. Der CDU-Landtagsabgeordnete und agrarpolitische Sprecher seiner Fraktion hatte kurzfristig ein Gespräch zwischen Betriebsräten, Gewerkschaftern und Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen vermittelt. Und dieser hatte Erfreuliches zu vermelden.
Im Streit um die komplizierten Subventionszahlungen für die Produzenten von Stärkekartoffeln haben sich die entsprechenden Länder auf einen gemeinsamen Kompromiß geeinigt, der den meisten Landwirten den Besitzstand wahrt: 60 Prozent werden von der Europäischen Union produktbezogen gezahlt. Über die restlichen 40 Prozent sollen die Mitgliedsstaaten entscheiden. Die große Sorge der Landwirte ist es, dass dieser Teil der Subventionen je nach Betriebsfläche ausgezahlt werden. Die Länder wollen sich jedoch jetzt dafür einsetzen, dass ein Viertel der 40 Prozent betriebsbezogen ausgezahlt wird, der Rest je nach Fläche. Die Betriebsräte der Kartoffelstärkeindustrie freuten sich über den "Etappensieg", denn noch muss der Bund dem Kompromiß zustimmen und gesetzlich regeln.
Die Mitarbeiter der Kartoffelstärkeindustrie aus ganz Deutschland waren nach Hannover gezogen, weil sie Angst um ihre Arbeitsplätze haben. Wenn die Subventionszahlungen so gestaltet werden, dass es nicht mehr lohnt, Stärkekartoffeln anzubauen, so die Befürchtung, wechseln die Landwirte in weniger arbeitsintensive Produktionsbereiche und den Stärkefabriken geht der Rohstoff aus.
Doch eines machte CDU-Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen gestern der kleinen Runde im Ministerium ganz klar. Auch wenn der Bund der Regelung zustimmt: Die von der Fläche entkoppelten Prämien werden in einigen Jahren nach und nach "abgeschmolzen". Für die Kartoffelstärkeindustrie heisst das: Sie muss über neue Produkte und Konzepte nachdenken, um langfristig auf einem freien Markt wettbewerbsfähig zu sein. Berthold Reiners und Uwe Hildebrand vom Konzernbetriebsrat der Emsland-Stärke bekräftigten: "Wir brauchen den Zeitraum, um den Strukturwandel zu bestreiten." Gleichzeitig nutzten sie die Gelegenheit, um für finanzielle Hilfen bei der Umstrukturierung der Unternehmen zu werben.
Betriebsräte und Gewerkschafter haben Minister Ehlen ein Resolution mit ihren Forderungen und über 4000 Unterschriften übergeben.