„Die Hauptschule muss gestärkt werden"

Aus den Grafschafter Nachrichten vom 30.11.2000

Bernd Busemann (CDU) referierte in Nordhorn über Zukunft des Bildungssystems

mm Nordhorn. Hauptschulabgänger sind nicht genug auf den Beruf vorbereitet. Ihnen fehlt es an ausreichender Bildung ebenso wie an Teamgeist und Leistungswillen.

Die Urteile aus der Praxis von Berufsschullehrern und Arbeitgebern sind hart. Hat die Hauptschule versagt? Dieser Frage stellte sich in der vergangenen Woche eine Expertenrunde, die die Grafschafter CDU in das Hotel Bonke eingeladen hatte. Mit dabei auch der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Bernd Busemann.
Nach der Situationsbeschreibung der Praktiker aus Hauptschulen, Berufsschulen und Arbeitswelt waren sich Podium und Plenum schnell einig, dass die Probleme nicht nur in der Hauptschule zu suchen sind. „Bevor die Kinder drei Jahre in der Hauptschule waren, haben sie vier Jahre lang die Grundschule und zwei Jahre lang die Orientierungsstufe durchwandert", betonte eine Hauptschullehrerin aus dem Plenum. Mehrfach wurde die Forderung erhoben, dass auch die Grundschule „leistungsorientierter" werden müsse.
Die am häufigten genannten Forderungen für eine effektive Zukunft der Hauptschule lauteten: Kleinere Klassen und eine ausreichende Anzahl von Lehrkräften. „Die Schule muss Spaß machen, und das geht nur mit guten Räumen und kleinen Klassen", forderte ein Elternvertreter.
Eine Absage erteilten die anwesenden Lehrer und Politiker erwartungsgemäß den Vorschlägen von SPD-Ministerpräsident Sigmar Gabriel, die Hauptschule und die Realschule zu einer so genannten Sekundarschule zu verschmelzen. Nach Ansicht von Bernd Busemann würde eine Sekundarschule weder den Hauptschülern noch den Realschülern gerecht. Der CDU-Landespolitiker plädierte für eine Abschaffung der Orientierungsstufe und eine entsprechende Verlängerung der Hauptschulzeit. Busemann: „Die Hauptschule hat ihre Berechtigung und muss gestärkt werden".Der stellvertretenden Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion sprach sich in Nordhorn dafür aus, dass sich die Hauptschule stärker der Wirtschaft öffnen müsse, da Abgänger der Hauptschule in der Regel in eine berufliche Ausbildung gehen. „Dann ist die Wirtschaft auch gefordert, Hauptschüler einzustellen", betonte Busemann im Umkehrschluss. Hauptforderung des Landespolitikers: „Wir brauchen eine Verbesserung der Unterrichtsversorgung, denn die Hauptschule ist richtig runtergefahren worden".Nach Ansicht von Busemann muss auch die Hauptschule Angebote für eine Ganztagsbetreuung machen, „auf freiwilliger Basis und an ausgesuchten Standorten". Eine generelle Ganztagsbetreuung an allen Hauptschulen sei vom Land nicht zu finanzieren.
„Die Hauptschule muss mehr Kernkompetenz entwickeln zur Vorbereitung auf das spätere Berufsleben", forderte der Grafschafter CDU-Vorsitzende Friedrich Kethorn. Dazu gehöre die Abschaffung der Orientierungsstufe und die Ausweitung der Hauptschulzeit auf dann fünf Jahre. Nach Ansicht von Kethorn geht es auch darum, die Leistungsbereitschaft zu fördern. Und das gelte durchaus gesamtgesellschaftlich.