"Schattenminister" Hans-Heinrich Ehlen diskutierte in Nordhorn mit Landwirten

28. Januar 2003 |

Artikel der Grafschafter Nachrichten vom 28.01.2003
von Peter Zeiser

"Wir erwarten eine Menge von Ihnen", sagte der neue Vorsitzende des Agrarausschusses der Grafschafter CDU, Henning Lindschulte, zum "Schattenminister" seiner Partei in Niedersachsen, Hans-Heinrich Ehlen. "Sie sollten nicht bange sein, gegen Renate Künast anzugehen", gab Bauer Lindschulte aus Nordhorn dem CDU-Politiker aus dem Landkreis Rotenburg/Wümme mit auf den Weg.
Nordhorn. Mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Ehlen machte gestern Nachmittag ein weiteres Mal ein Mitglied aus dem "Kompetenzteam" von Oppositionsführer Christian Wulff eine Stippvisite in der Grafschaft. In der Gaststätte Rammelkamp sprach er vor rund 80 Zuhörern, hauptsächlich Landwirten, und stellte sich anschließend der Diskussion.
Die so genannte Agrarwende erzeuge mehr Frust als Lust. Die Landwirtschaft werde in "gute und böse" Betriebe gespalten, monierte zu Beginn Johann Diekjakobs, der gestern nach 13 Jahren das Amt des Vorsitzenden des Grafschafter CDU-Agrarausschusses abgab. Die Politik muss nach seinen Worten die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, damit die Bauern eine Perspektive haben.
Damit sprach Diekjakobs dem Referenten aus dem Herzen. "Politik für einen lebendigen ländlichen Raum", zitierte Ehlen das Motto der gestrigen Veranstaltung, beinhalte eine berechenbare Agrarpolitik. Die Bundesregierung mache sie nicht, weshalb die Landwirtsfamilien verunsichert seien. Mit der Berufung von Ministerin Künast habe sich Kanzler Schröder die "lästigen Bauern" selbst vom Halse halten wollen. Künasts Politik sei ideologisch geprägt. Den Bauern seien zu Unrecht viele Lasten auferlegt worden.
Vom Ziel, den ökologischen Landbau in den nächsten zehn Jahren auf 20 Prozent auszuweiten, sei die grüne Ministerin weit entfernt, wie Ehlen deutlich machte. Die Biolandwirtschaft hat nach seinen Worten bisher nur eine Marktlücke von gut zwei Prozent bedient. Was gekauft werde, entscheide der Verbraucher übers Portmonee und nicht die Ministerin. Auch wenn die Landwirte keine Schuld hätten an der negativen Entwicklung durch BSE, MKS oder den Nitrofen-Skandal, müssten sie sich den neuen Erfordernissen anpassen und mit guten Konzepten auf die Verbraucher zugehen. Richtig und notwendig sei deshalb etwa die Einführung des Qualitätssicherungssystems ("QS"). "Wir können es uns nicht leisten, diese Dinge nicht zu machen," sagte Ehlen. Dabei gehe es nicht darum, neue Absatzmärkte zu schaffen, sondern die alten Märkte zu sichern. Verbraucher und Erzeuger müssten noch mehr zusammengebracht, das Verständnis füreinander müsse noch mehr geweckt werden. Hier gebe es noch viel zu tun.
Stichwortig streifte der Agrarexperte noch eine Fülle weiterer Themen. So mahnte er eine Stärkung des ländlichen Raumes an, über deren Entwicklung die Menschen vor Ort, die Kommunen und Landkreise mehr als bisher selbst bestimmen können sollten. Bürokratie abbauen und Verwaltungen verschlanken, auch im Agrarbereich, und das Ausdünnen des Verordnungs- und Gesetzesdschungels lauteten weitere Forderungen.
Immer wieder ging es in der anschließenden Diskussion um die Auswirkungen der Vorschläge von EU-Agrarkommissar Fischler. Eine Lösung für das Problem, das auf die Stärkekartoffelerzeuger und hier vor allem auf die Emsland-Stärke in Emlichheim zukommt, wisse er auch nicht, sagte Ehlen. Auf jeden Fall könne auf Dauer nicht damit gerechnet werden, dass es bei der jetzigen Regelung bleibe. Auch wenn derzeit noch nichts entschieden sei, werde die EU ihren Weg "Weg vom Produkt und hin zur Fläche" weitergehen.
"Wir haben es satt, immer überplant und verplant zu werden. Man sollte die Landwirtschaft arbeiten lassen", machte ein Landwirt seinem Ärger Luft. CDU-Landtagskandidat Reinhold Hilbers, der ebenso wie Friedrich Kethorn Verbesserungen für den bäuerlichen Berufsstand anmahnte, stimmte ihm zu: " Die Landwirtschaft darf nicht zur Restgröße in der Planung werden." Henning Lindschulte vom Grafschafter CDU-Agrarausschuss kündigte an: "Wir werden unsere Interessen stark verteidigen. Wir sind gerne Landwirte und wollen es auch bleiben."28012003ehlengr Schattenminister Hans Heinrich Ehlen diskutierte in Nordhorn mit Landwirten



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