"10.000 neue Arbeitslose im Baubereich in Niedersachsen und eine gewaltige Pleitenwelle – vor allem im Mittelstand – erfordern sofortiges Handeln", sagte Grafschafter CDU-Landtagsabgeordnete, Friedrich Kethorn. Er warf Bundes- und Landesregierung vor, durch ihre falschen politischen Entscheidungen die Krise am Bau mit verursacht zu haben: "Zusätzliche Steuerbelastungen, Benachteiligung des Mittelstandes, Investitionskürzungen, Abbau der Wohnungs- und Städtebauförderung und die Versuche, vor allem der SPD-Landesregierung, Abschreibungen zu verschlechtern, haben direkt zu weniger Aufträgen und mehr Arbeitslosen geführt", stellte Kethorn fest.
Nur bessere wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen könnten die Bauwirtschaft, das mittelständische Baugewerbe und die Arbeitsplätze retten. In der Grafschaft Bentheim gibt es insgesamt 90 Betriebe des Baugewerbes mit ca. 1.500 Arbeitnehmern. Der Grafschafter Abgeordnete forderte daher nach einem Gespräch mit der Kreishandwerkerschaft:
1. Abbau der Steuerbelastungen
Die wettbewerbsbelastenden Kostenprobleme der Bauwirtschaft könnten nur durch rasche und konsequente Steuersenkung, steuerliche Gleichbehandlung des benachteiligten Mittelstandes, Rücknahme der Ökosteuer sowie einen sofortigen Stopp der geplanten Verschlechterungen der Abschreibungen und der Erbschaftssteuer gelöst werden.
2. Stärkung der Infrastrukturinvestitionen der öffentlichen Hände
Die Investitionshaushalte des Bundes und des Landes dürften nicht weiter zum Steinbruch für sogenannte Sparmaßnahmen werden. Niedersachsen habe inzwischen die niedrigste Investitionsquote in der Geschichte des Landes. Demgegenüber steht ein riesiger Nachholbedarf – z.B. bei der Verkehrsinfrastruktur.
3. Verhinderung des Lohn- und Sozialdumpings bei öffentlicher Auftragsvergabe
Die Wettbewerbsregeln bei allen öffentlichen Händen bei der Auftragsvergabe müssten konsequent eingehalten werden, dazu gehöre auch die Tariftreue. "Wenn sich die bisherigen Maßnahmen als ungeeignet erweisen, brauchen wir in letzter Konsequenz ein Vergabegesetz", sagte Kethorn. Notwendig sei, dass stärker im Interesse des öffentlichen Mittelstandes Aufträge in Teillosen vergeben würden, eine klare Trennung der kommunalwirtschaftlichen Tätigkeit von privatwirtschaftlichen Aktivitäten, damit sich öffentliche Hände nicht still und leise aus der öffentlichen Auftragsvergabe verabschieden könnten. Schnell übernommen werden müssten zur Stärkung des mittelständischen Baugewerbes die baden-württembergischen Regelungen im Mittelstandsförderungsgesetz.
In diesem Zusammenhang verwies Kethorn darauf, dass die Kommunen kaum noch die Möglichkeit hätten, als größter regionaler Auftraggeber Investitionsaufträge zu vergeben: "Die SPD-Landesregierung und die SPD-geführte Bundesregierung haben in den letzten Jahren fortwährend die kommunalen Taschen geplündert und sie damit in eine finanziell schwierige Lage gebracht", stellte der Abgeordnete fest.
4. Übergangsfristen bei der Erweiterung der Europäischen Union
Zur Herstellung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Bauwirtschaft bedürfe es nicht nur Übergangsfristen für die Feizügigkeit der Arbeitnehmer, sondern auch für die Dienstleistungsfreiheit. Zudem sei die Änderung der europäischen Bestimmungen über die sozialversicherungsrechtliche Behandlung von Wanderarbeitern dringend erforderlich.
5. Einführung einer steuerlichen Förderung des Wohneigentums im Bestand
"Um der Bauwirtschaft zu helfen, müssen wir auf neue Wege bauen", sagte Kethorn. Die Verbesserung der Rahmenbedingungen werde erst mittelfristig ihre positiven Wirkungen zeigen. Die Bauwirtschaft brauche aber sofort greifende Maßnahmen zur Stabilisierung der Nachfrage, zur Erhaltung der Arbeitsplätze und zur erfolgreichen Bekämpfung der Schwarzarbeit. "Die einzige Alternative, die greift, ist die steuerliche Förderung des Wohneigentums im Bestand. Sie wirkt kurzfristig und ist ein entscheidender Schritt zum Austrocknen der ausufernden Schwarzarbeit", so der Grafschafter Abgeordnete. Ziel sei es hierbei, dass Privathaushalte und Familien die Lohnkosten von Bauaufwendungen bei bestehenden Eigenheimen und Eigentumswohnungen steuerlich voll absetzen können. Dieser Maßnahme bedarf es, um kurzfristig die Baunachfrage zu stabilisieren, Beschäftigung statt Arbeitslosigkeit im Baubereich zu erzeugen und die Schwarzarbeit auszutrocknen.