Geschichte nicht vergessen und Propaganda erkennen

20141020_201631Der erste Weltkrieg gelte mit 17 Mio. Toten als Urkatastrophe des letzten Jahrhunderts. Sein Verlauf und die Zeit danach prägten bis heute die Geschichte. Daher wolle die Grafschafter CDU in dem Jahr, in dem sich der Ausbruch dieses schrecklichen Krieges zum 100. Mal jährt, ganz besonders an den Kriegsausbruch erinnern. „Wir wollen nicht alte Debatten um die Kriegsschuld aufwärmen, wir wollen die Veranstaltung als Zeichen verstanden wissen, sich auch heute noch oder auch noch mehr für Frieden und Freiheit einzusetzen. Frieden muss immer wieder erarbeitet und gefestigt werden. Er ist nicht für immer und alle Zeit gottgegeben“, so Hilbers in seiner Einleitung zum gut besuchten Themenabend in Lohne.

Die Grafschafter CDU verbinde das mit der Erinnerung an Erich Maria Remarque, einer der ganz großen Autoren von Anti-Kriegsromanen. Eindrucksvoller als Erich-Maria Remarque die Kriegserlebnisse beschreibt, könne man das nicht tun. Der Bezug zu Lohne sollte dabei auch eine Rolle spielen. Hilbers dankte dem Heimatverein für sein Engagement mit der Ausstellung und den Filmen, die dazu gezeigt wurden.

Die Lehre, die man aus den Ereignisse von Damals ziehe müsse, beleuchtete Reinhold Hilbers. Rechtsstaatlichkeit, freiheitliche Grundrechte und Frieden würden zu häufig als selbstverständlich hingenommen, so Hilbers. „Wie brüchig der Friede sein kann, ist zurzeit an vielen Stellen der Welt, auch in der Ukraine abzulesen.“, erläuterte der Landespolitiker.

Reinhold Hilbers wies besonders auf das Engagement für Europa hin. Damals sei die Architektur Europas zusammengebrochen. Das müsse heute verhindert werden. „Dafür müssen wir uns für ein gemeinsames Europa einsetzen. Mit der Osterweiterung der EU hat Europa ein ganz großes Stück seiner Selbstzerstörungskraft verloren“, freut sich Hilbers. Aber von außen hereingetragene Konflikte und Völkerhass sind nach Ansicht von Hilbers immer noch eine Gefahr. Europa muss immer auf der Seite des Rechts stehen, fordert Hilbers und besonnen sein, um nicht wie die Mächte damals in einen Krieg hinein zu schliddern.

Dr. habil. Thomas Schneider, Leiter des Erich Maria Remarque-Friedenszentrums Osnabrück, befasste sich in seinem Impulsreferat der Erfindung der Propaganda im Ersten Weltkrieg. Auf deutscher Seite war das Bild- und Filmamt (Bufa) zuständig für die Kriegsberichterstattung, die die Bevölkerung gezielt einseitig informieren sollte. Der überwiegende Teil aller Filmsequenzen, die wir bis heute kennen, sei nachgestellt worden. Man müsse sich bei allen Filmszenen, die Schlachtgetümmel zeigen, nur einmal fragen, wo die Kamera gestanden haben müsste " dann werde bereits einiges klar. Etwa 98 Prozent aller Kriegsliteratur während des Ersten Weltkrieges sei kriegsbejahend gewesen. Nach dem Krieg sei es darum gegangen, den „im Felde unbesiegten“ zu heroisieren und auf den nächsten Krieg vorzubereiten.

In dem Beitrag von Dr. phil. Denis Herold ging es um die Verarbeitung des Ersten Weltkrieges in dem Romanen von Remarque, vor allem in dem bis heute weltweit sehr populären Buch „Im Westen nichts Neues“. Da Remarque aufgrund einer frühen Kriegsverwundung nur kurze Zeit an der Front gewesen ist, konnte er nur wenige eigene Erfahrungen einfließen lassen. Er ließ sich aber darüber von anderen Kriegsteilnehmern berichten, unter anderen in seiner Zeit in Lohne. Es handele sich hier also nicht um die individuellen Erlebnisse Remarques, sondern um die vieler Soldaten. Daher habe der Text viele Veteranen des Ersten Weltkriegs angesprochen. Auch die einfache, geradlinige, unterhaltsame, aber auch streckenweise sehr drastische und grausame Sprache des Autors habe zu dem großen Erfolg beigetragen.

Der Kulturredakteur der Grafschafter Nachrichten, Thomas Kriegisch, Autor des Buches über Remarque Der Weg zurück nach Lohne, war Gast bei der anschließenden Podiumsdiskussion, die von der Kreistagsabgeordneten und Kreisvorsitzenden der Frauen Union, Monika Wassermann, geleitet wurde. Er gab zu bedenken, dass wir auch heute noch anfällig für Propaganda seien, zumal diese inzwischen viel subtiler stattfinde. Die Frage sei auch erlaubt, ob die Journalisten von heute über die aktuellen Krisenherde immer so objektiv berichten, wie es eigentlich geboten sei, oder ob hier nicht zumindest teilweise eine gewisse Einseitigkeit festzustellen sei.